Ostern 2015: Input-Output und eine ganze Menge neuer Erfahrungen und Erkenntnisse – Weiterbildung in tiergestützter Therapie und Pädagogik

IMG_1438Ein Hundeausdruck sagt manchmal mehr als viele Worte. Dankas fröhliches Hundelachen steckt an und der lustige „Schnappschuss“ wirkt auf mich wie das Symbol einer einmal wieder erlebnisreichen und frohen Seminarzeit auf Wikkegaard.

Da waren zuerst die bereits „fortgeschrittenen zwei- und vierbeinigen Teilnehmer“ des 3. Moduls.
Bei der Begrüßung auf dem Vorplatz des angemieteten Seminarhauses am Rande des Nationalparks Thy zeigte sich Wiedersehensfreude in herzlichen Umarmungen und spontanen Erzählungen „wie es denn war… in der Zwischenzeit…mit Hund, Klienten und manchmal auch privat, wie die Anreise verlief, wo man Unterkunft gefunden hatte“ und immer wieder „wie sehr sich doch ein jeder auf das einwöchige Zusammensein freute“.

Was uns alle beeindruckte, war das absolut komplikationslose Zusammentreffen der Hunde. Voller Neugierde hüpften sie aus den Autos, liefen aufeinander zu und fanden nach kurzem Anschnuppern der „hundewichtigsten Körperteile“ blitzschnell zu einem P1030344ausgelassenen lebhaften Spiel. Die einen jagten durch das Gelände, Enjo verfolgte seine lang vermisste und geliebte Bonnie, die aber offenbar lieber ein permanentes „Knäuel“ mit Lotte bildete, bei dem mal die eine, mal die andere die „Oberpfote“ gewann. Danka und Dorma fanden sich schnell wieder in die Rolle „ab und zu einmal mit kurzem Gebell für Ordnung zu sorgen“, wobei es eigentlich unklar blieb, ob auf Wikkegaard einst angelerntes Rudelverhalten sich durchsetzte oder wirklich die Notwendigkeit zu mehr Übersicht und Ruhe erforderlich war.
Wir Menschen zumindest erfreuten uns an diesem Hunde-Miteinander, waren überrascht, wie schnell doch aus einander fremden Hunden und selbst bei langen Zwischenpausen so eine rudelähnliche Zusammengehörigkeit entstehen konnte. Ich weiß nicht mehr, wer es sagte, aber wir waren uns schnell einig: Die Hunde spiegeln unsere Gefühle füreinander beim Wiedersehen wider.

Das passte zu einem wichtigen Thema dieses Moduls, in dem es um das Ausdrucksverhalten der Hunde ging, um die nahe Verbindungen der Emotionen zwischen Mensch und Hund und um die Frage, warum denn nun Menschen und Hunde so gut zueinander passten, dass sie bereits gemeinsame Jahrtausende miteinander lebten.

Speziell ging es dieses Mal aber auch um die ganz individuelle Situation eines jeden Teilnehmers innerhalb seiner Form der tiergestützten Arbeit. Da war viel Raum für Gruppensupervision und individuelles Hundetraining, letzteres angepasst an die P1030419Bedürfnisse in der beruflichen Arbeit für einen Einsatz und an die besonderen Fähigkeiten der einzelnen Hunde. Ebenso war aber auch Raum für die kleinen Alltagsprobleme, die Hunde nun auch einmal bringen können, wenn z.B. pubertäres Verhalten ansteht oder Unsicherheiten erkennbar werden, die Fragen nach Entstehung und möglicher Auflösung erfordern.

In der Theorie wurde die Aufstellung der Qualitätskriterien für die Weiterbildung in tiergestützter Arbeit der ESAAT und ISAAT ein heiß und lebhaft diskutiertes Thema, in dem es an so manchen Punkten doch sehr schwerfiel, sich irgendwie noch in dem eigenen Berufsbild und als sogenannte „Fachkraft“ für tiergestützte Arbeit P1030391wiederzufinden. Der noch lebendig in den Köpfen spukende vorgeschlagene Wesenstest für angehende Therapiehunde rief viel begründeten Protest auf den Plan: Niemand konnte sich vorstellen, seinen Hund einem solchen Stressverfahren auszusetzen und damit zudem die Rolle des für den Hund zuverlässigen Hundeführers und „besten Freund“ (Kotrschal) zu gefährden.

An der Stelle des stressbezogenen Habituationstrainings für angehende Therapiebegleithunde setzten wir die Qualität der „Ich-Du- Bindung“ im Hundemiteinander, sowohl für die Beziehung zwischen Hundeführer und Hund als auch zwischen Hund und Klienten und dem Miteinander in der Dreierkonstellation. Hier wurden Hunde zu dem Gegenüber, das sie aufgrund ihrer in der Evolution entwickelten sozialen, psychischen und physisch-neuronalen Nähe zum Menschen sein können. Hunde sind eben keine „Tabletten“, die als Mittel in tiergestützter Arbeit verabreicht werden können, sondern lebendige, sich weitgehend selbstbestimmende Wesen, die ihre Wirksamkeit in der ihnen eigenen Art und Weise zum Erleben bereithalten. Diese Wirksamkeit lässt sich dokumentieren, auch fördern, aber nicht grundsätzlich planen und dann abverlangen. Zum Glück nicht, denn sonst hätten wir keine Hunde, sondern funktionierende vegetierende Roboter.                                                                                                                                                                         Ein intensives Modul mit viel Engagement auf allen Seiten liegt hinter uns, und im August sehen wir uns wieder.

 
Der zweite Kurs war ein neuer, mit Spannung – wohl bei Teilnehmern und Dozenten – erwartet. Nach einer eher offiziellen Begrüßung ging es erst einmal in den nahegelegenen Nationalpark zum Kennenlernen auf gemeinsamem Spaziergang mit kleinem Parcours.
Mit zunächst reichlichem Abstand voneinander, angeleint und meist „im Slalom“ durch die Bäume, war ein langgestreckter Hügel zu IMG_1222überqueren. Nicht jedem Teilnehmer fiel es sofort leicht der gestellten Aufgabe sich dabei weitgehend von seinem Hund führen zu lassen, zu folgen. Eine „umgekehrte“ Alltagssituation, die vom Menschen Konzentration und Vertrauen in den eigenen Hund abverlangte. Leichter war dann das Verstecken von Futterbeuteln, die selbst die ganz jungen Hunde schnell fanden, freudig heranschleppten oder lieber an einem „geheimen Ort“ selbst versuchten zu öffnen. Nach einer Kletter- und Balancetour über Baumstämme und „riesige“ Baumwurzeln öffnete sich vor den Hunden eine große weite Wiese, auf der – nun endlich auch abgeleint – nach Herzenslust getobt, gerannt und die ersten kleinen Sympathien unter den Hunden gesetzt werden konnten. Teilnehmer und Dozenten fanden Platz in einem Bankkreis um eine Feuerstelle, dies zum ersten Austausch über gerade Gesehenes, Erlebtes und Erfahrenes.

In so einem ersten Modul steht ohne Frage das Kennenlernen der Menschen und Hunde untereinander im Vordergrund: schauen, P1000725beobachten, reflektieren des Beobachteten und Gespürten, das Besinnen auf das, was gelernt und erfahren werden konnte. Es ging um erstes gemeinsames und individuelles Training, um das Einbinden der spezifischen beruflichen Arbeit in den großen Komplex tiergestützter therapeutischer und pädagogischer Interventionen und um die Konfrontation mit wesentlichen Grundlagen für die Arbeit mit Klienten, mit den Tieren (bes. den Hunden), um Begrifflichkeiten, methodische Möglichkeiten und rechtliche Ordnungen. Doch vor allen Dingen ging es wohl immer wieder um das Miteinander, um das Du und das Wir und eine mögliche Aussicht auf zwei gute Jahre gemeinsamer Arbeit. An die Stelle von „Spannung auf die Neuen“ ist nun Freude auf das Wiedersehen getreten, auf Fortsetzung der begonnenen lebhaften Gespräche und eine Arbeitsatmosphäre, in der im Austausch gesucht, geforscht und gefunden werden kann. Auch diese Hunde werden wahrscheinlich wieder ihre „eigene Gruppe“ bilden, mit P1000745Tobern, Verliebten, Frechen, Charmanten, Ruhigen und selbstverständlich auch wieder mit solchen, die „für Ordnung und Ruhe sorgen“.

 

 

Nächste Termine:

Gruppe 1, Modul 4 vom 03. bis 07. August 2015

Gruppe 2, Modul 2 vom 10. bis 14. August 2015

Gruppe 3, Modul 1 um Ostern 2016

 

 

Der Unsinn von quietschendem Spielzeug

Lulu hat eins, Theo auch, Felix nicht, und die süße kleine Molly hat gleich drei, sogar in pink.

Bei Lulu ist es in einem Karton versteckt. Sie findet es unter den begeisterten Blicken und Rufen ihrer menschlichen Mitbewohner. Es ist dekoriert mit zahlreichen köstlichen und selbstgebackenen Leckerchen und steht auf ihrem Gabentisch zum Geburtstag: „Ja, schau, sie hat sofort ihr Päckchen gefunden. Wie klug sie doch ist!“ Der Unsinn von quietschendem Spielzeug weiterlesen

Schneckennase – Hundenase – das Prinzip ist geblieben

Die Wasserschnecke kriecht über den Meeresboden. Mit ihren Chemorezeptoren, Sinneszellen zur Wahrnehmung von chemischen Substanzen, „prüft“ sie die Wasserqualität. Bei gefährlichen Partikeln entsteht ein Erregungssignal, das seinen Weg zum Cerebralganglion oberhalb ihres Schlundes findet und ein schnelles Schließen ihrer Mantelhöhle bewirkt, noch bevor die darin liegenden Kiemen dieses Gift passieren können. Nährstoffe dagegen, die ihren Energiebedarf befriedigen, sind willkommen, und die Kiemen filtern sie sorgsam aus dem kleinen Wasserstrom, der sie durchläuft. Osphradium, duftendes Sträußchen aus dem Griechischen übersetzt, heißt dieses Sinnesorgan am Rand der Mantelhöhle kurz vor den Kiemen.

Den dieser „Fundsache“ zugrunde liegenden Text habe ich bei spektrum.de unter Osphradium gefunden. Er ließ mich in der Beschreibung an die Möglichkeit eines frühen Vorläufers olfaktorischer Wahrnehmung denken. Vielleicht, irgendwann auf dem Weg der Evolution leistete dieses „bunte Sträußchen“ eventuell seinen Beitrag zur exzellenten und vielfältig einsetzbaren Hundenase oder sogar zum kulturverwöhnten Riecher des Menschen. Nun, die Fähigkeiten des menschlichen Riechkolbens und ganz besonders auch die des Hundes unterscheiden sich zwar wesentlich von denen einer Schnecke, aber – ehrlich – s o weit haben uns die paar hunderte Millionen Jahre Evolution dann doch nicht voneinander entfernt: das Prinzip Schnüffeln-Erregung-Reaktion ist recht einfach geblieben. Es muss sich wohl bewährt haben.

Weiterbildung in tiergestützter Therapie und Pädagogik – noch zwei Plätze frei

Nur noch wenige Wochen trennen uns vom Start des nächsten Ausbildungsgangs “Weiterbildung in tiergestützten therapeutischen und pädagogischen Interventionen, verbunden mit der Ausbildung eines eigenen Therapiehundes” vom 6. bis zum 10. April 2015.

weiterbildung-buttonEine Reihe interessanter Anmeldungen von Psychotherapeuten und Pädagogen aus unterschiedlichen Einsatzbereichen mit ihren Hunden sind bisher hier eingegangen und die Freude auf das Miteinander motivieren die Vorbereitungen des Wikkegaard-Teams für ein spannendes und lehrreiches Seminar für Mensch und Hund.

Wir sind sicher: Neben wissenschaftlich fundierten Vorträgen mit anschließenden Diskussionen wird es wieder viel Raum zur Introspektion der jeweiligen eigenen Arbeit der Teilnehmer und dem Einsatz ihres Hundes geben. Anregungen, Übungen und die Festigung des Mensch-Hundeteams werden mit Spaß und Freude am gemeinsamen Durchlaufen eines Parcours wechseln. Und nicht zuletzt bleibt viel Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch.

Wer Näheres erfahren möchte, findet hier weitere Informationen, denn noch sind zwei Plätze zum Mitmachen frei.

 

Gedanken zur Biophilie

Kurz nach Mitternacht beginnt draußen das Feuerwerk und begrüßt das Jahr 2015. Der leise melodische Klang unserer Sektgläser beim Anstoßen gibt einen Kontrast zu dem immer mehr zunehmenden Lärm. Wir prosten einander viele gute Wünsche zu.

FeuerwerkEsko, Isabelles Labradorrüde, läuft mit uns nach draußen in den Hof. Die Raketen erleuchten den Himmel. Sie werden aufgrund der Hanglage des Grundstücks unten im Dorf gezündet, so dass wir keine überraschenden Landungen bei uns erwarten müssen. Dennoch bewundern wir Eskos Mut, der wohl ein Resultat seiner uns gut bekannten ausgeprägten Neugierde ist. Gedanken zur Biophilie weiterlesen

Projekt: Aufzucht eines Welpenwurfs

Damals, vor 15 Jahren hatte ich erstmals den Gedanken, meine in den 1990er Jahren noch sehr „privat“ gemachten Erfahrungen in hundegestützter psychotherapeutischer Arbeit in ein Projekt zu verwandeln. Sinn und Aufgabe des Projektes sollten Untersuchungen der Fähigkeiten von Hunden sein, die in therapeutischen und pädagogischen Einsätzen hilfreich werden konnten und wie ich erfahren hatte, auch vielfach waren. Projekt: Aufzucht eines Welpenwurfs weiterlesen

Bele ist überall, wo wir an sie denken

Bele ist nicht mehr unter uns,
aber sie ist überall dort,
wo wir an sie denken.

Retrieverhündin Bele
Bele (alle Fotos: Hinnerk Weiler)

Sie starb bereits am 14. November 2014 an einem inoperablen Tumor und ruht nun neben ihrer Mutter Wikke. In unseren Erinnerungen bleibt sie als ruhige, freundliche und unendlich fürsorgliche Mutter ihrer insgesamt 16 Welpen unlöslich mit allen, die sie liebten und schätzten, verbunden.

Foto: Hinnerk WeilerEin großer Teil dieser Welpen trägt Beles sanftes Wesen in die Welt und unterstützt Kinder und Erwachsene in Therapie  und Pädagogik. „Elbenhunde“ nannten wir ihre Nachkommen scherzhaft und meinten damit den Zauber dieser hohen Sensibilität für Atmosphäre und der spontanen Empathie für Hund und Mensch.

Bilder von Hinnerk 909 207Bele liebte es, gestreichelt und beschmust zu werden, sie hatte Freude am Training und balancierte wie ein Zirkushund auf den großen Gymnastikbällen. Eigentümlich erschien ihr starkes Bedürfnis „mitzureden“. Mit seltsamen und vielfältigen Vokallauten brachte sie uns Menschen zum Lachen und verführte uns ihr Worte unterzuschieben, an die die Lautbildungen erinnerten und witzig in die Situation passten.

Wir vermissen dich, Bele, aber wir wissen, dass du uns bleibst.