Such-und Bringspiele Teil 4 / Rollenspiele

Bevor ich über weitere Rollenspiele schreibe, möchte ich etwas Allgemeines über die Rolle des Hundes sagen:

FÜR DEN HUND SPIELT DIE ROLLE IM ROLLENSPIEL
KEINE ROLLE

Wir schreiben sie ihm zu und er verhält sich wie sonst auch. Wir interpretieren sein Verhalten passend zu unserem Spiel. Den Hund kümmert das nicht. Er sucht, holt, bringt und nimmt auf seine individuelle Art am Geschehen teil.

P1010237Dorma zum Beispiel, wird wegen ihres hellen Felles gerne die Rolle des Eisbären zugeteilt. Ja, sie legt sich gerne auf eine Eisscholle, wenn diese in Wirklichkeit aus Stoff, Pappe oder Luftpolsterfolie (sehr schön als Eisersatz) besteht. Noch lieber trägt sie ein Eisbärjunges herum, wobei man etwas aufpassen muss, dass sie es vor lauter Liebe nicht anknabbert!
Andererseits zeigt Dorma so gar kein „eisbäriges“ Verhalten. Ganz anders als der ruppige, Distanz wahrende oder angriffslustige Einzelgänger ist Dorma ein defensiver, sanftmütiger, beinahe zärtlicher Hund, der große  körperliche Nähe zu Menschen mag.
Einmal darauf aufmerksam gemacht, gibt es viel zu Schmunzeln über diesen merkwürdigen Kuschel-Eisbären!

Sehr wertvoll sind die Gespräche, die sich hieraus ergeben können. Z.Bsp.
– auf der sachlichen Ebene:
Wie leben und verhalten sich Eisbären denn tatsächlich?
Bis hin zum Klimawandel und Klimaschutz

– auf der sozial-emotionalen Ebene:
Hat jemand schon einmal erlebt, dass Menschen sich ganz anders verhalten haben als erwartet? Vielleicht passiert es einem auch selbst manchmal, nicht den Erwartungen entsprechen zu können oder zu wollen.
Ist der eine oder andere auch schon mal in eine Rolle geraten, die er eigentlich gar nicht haben will – und hat möglicherweise erfahren, wie schwer ist es, diese wieder loszuwerden?

P1010176Wenn Dorma ein Stofftier auf ihre eigene Art transportiert, sage ich manchmal: “ Bei aller Liebe, Dorma, so würde ich aber nicht gerne getragen werden.“
Oder ich frage die Kinder:“Möchtet ihr so kopfüber durch die Gegend geschleppt werden?“
Schon ist man im Gespräch über  das wichtige Thema des Gehalten-, Getragen- und Berührt-Werdens, und kann mit den Kindern in altersgemäßen Worten über ihre Erfahrungen und Wünsche sprechen.

Ist es zu schwer, über eigene Erlebnisse und Gefühle zu reden, kann man das Thema auch ganz im Rollenspiel und bei den Akteuren lassen.

„Wie mag Dorma sich wohl fühlen, wenn ihr plötzlich vor ihr wegrennt?“
Oder: „Meint ihr, Dorma weiß, warum ihr……..?“
Oder: „Ich glaube, Dorma denkt, sie hat etwas falsch gemacht.“
– Je nachdem, wie sie sich verhält und was sie ausdrückt. –

„Wie mag der Bär sich fühlen, wenn er einfach geschnappt und weggetragen wird?“
Oder: „Meint ihr, der Bär findet das schön…..?“
Oder: „Ich glaube, der ist froh, wenn er wieder abgelegt wird.“

Es gibt so viele Möglichkeiten!

Natürlich sollte man nicht das ganze Rollenspiel zerreden.
Mein Anliegen ist, darauf aufmerksam zu machen, wie viele Chancen es beinhaltet.

 

Bleiben wir gleich beim Bärentransport und im Rollenspiel

Tierarzt       

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Hier soll nicht der arme Hund ständig verbunden, verpflastert, untersucht und gespritzt werden, sondern Stofftier-Stellvertreter.
Unser echter Hund könnte die nette Arzthelferin sein, die die Patienten eine Weile herumträgt, sie zum Doktor bringt und bei Bedarf auch eine „vitalisierende Leckmassage“ durchführt. Aufgetragene Quarksalbe* ist da sehr hilfreich.
Bei mir dürfen die Kinder dies auch an sich ausprobieren und selbst mal Patient sein.
Hunde, die gerne knabbern und nagen, können mit der Entferung von Pflastern beauftragt werden. Dorma z.Bsp. macht das sehr sorgfältig und genau – auch ohne Auftrag! Man muss ja zwischendurch auch  mal nachschauen, ob die Wunde schon verheilt ist.
Hunde, die gerne Sachen aufsammeln, sorgen für Ordnung in der Praxis, indem sie herumliegendes Verbandsmaterial und Ähnliches aufräumen.

*Quarksalbe besteht zu 100% aus Magerquark ohne jegliche Nenbenwirkung für Mensch und Tier.

 

P1020026 (2)Am Waschtag 

kommen Textilien jeder Art zum Einsatz.

Hier bieten sich viele Möglichkeiten des Zuordnens und Sotierens nach Farben, Mustern, Wäschearten und -zweck. Begriffe und Oberbegriffe werden immer wieder genannt und nebenbei gelernt.
Der Hund bringt z.Bsp. beliebige Wäscheteile und die Kinder sortieren sie. Oder sie helfen ihm bei der Auswahl und zeigen ihm, was sie brauchen.
P1020032 (2)Bunte Wäscheklammern passend zu den Wäschestücken ergänzen das Ganze.

Vom Hund angereicht, muss ein Teil der gleichen Farbe gesucht werden, bevor man es auf die Leine hängt. Herumliegende Klammern sammelt der Hund bestimmt auch gerne auf (meiner zumindest) und legt sie in den Korb, falls sie nicht benötigt werden. Dass er den Korb auch zu dem Wäscher bringt, der ihn gerade braucht, versteht sich von selbst.
Das Abnehmen der Wäsche kann man ihm fast alleine überlassen.

In einen großen Karton  kann man eine Luke schneiden und hat im Nu eine riesengroße Waschmaschine. Beim Einfüllen und Ausräumen der Wäsche ist der Hund wieder behilflich. Besonders liebt er die Aufgabe, die Wäsche vorher nach etwas Essbaren zu durchsuchen, das „aus Versehen“ dazwischen geraten ist.

Andere Dinge, die auf keinen Fall mit in die Waschmaschine dürfen, z.Bsp. Papiertaschentücher oder (Spiel)-Geldscheine, kann er ebenfalls aussortieren.
Es muss nicht unbedingt so realistisch sein. Man kann auch kleine Bälle untermischen oder etwas anderes, von dem man weiß, dass der Hund es liebt und herausfischen wird.
P1020042 (2)Bei Dorma kann ich mir mit Tempos hundertprozentig sicher sein! Sie liebt es, die zu zerfetzten, wozu sie auch unbedingt Gelegenheit bekommen muss. Die Kinder waren da bisher überwiegend einer Meinung mit mir!
Kennt Ihr das Lied „Hände waschen“? Es passt sehr gut zum Waschtag, wenn man es ein wenig umdichtet in z.Bsp. „Socken waschen, Socken waschen……….“
Wie auch immer, schütteln kann sich keiner so gut wie der Hund.
Vielleicht zeigt er es uns einmal?!

Perfekt wird der Waschtag, wenn man ihn in einem geeigneten Raum oder bei warmen Wetter draußen mit richtigem Wasser veranstaltet.
Das endet nicht selten mit einem Bad von Hund und Kind! Man sollte es jedenfalls einkalkulieren und trockene Kleidung bereithalten.
IMG_1563Und dann kann man mit Sicherheit sehen, wie ein Hund sich schüttelt!

 

 

 

Mit trockenen Socken kann man ein Schnüffelspiel einbauen:
– Mehrere Socken werden auf die Leine gehängt.
– In einem befindet sich etwas wohlriechendes Futter.
– Findet der Hund den richtigen Socken?
Die Kinder dürfen das auch mal versuchen, oder mit den Händen
„schnüffeln“, also tasten.
(Hierzu aber  mehr in einem späteren Teil der Ideenkiste)

Heute möchte ich Euch noch die „Max-Bücher“ von Barbro Lindgren und Eva Eriksson vorstellen.

Eigentlich sind es Bilderbücher für ganz junge Kinder, aber der Hund ist so ausdrucksstark gezeichnet, dass man sie auch anders einsetzen kann. Ich habe sie auch schon Schulkindern „untergejubelt“ mit der Bitte, mal mit ihren Hundekenntnissen zu überprüfen, ob der Hund auch richtig gezeichnet ist und die Kleinen erkennen können, was er denkt. Leseanfänger amüsieren sich meist über die Texte in „Babysprache“.
Leider sind viele Bücher der Serie vergriffen und nur noch gebraucht, zum Teil zu Sammlerpreisen zu bekommen. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich mal umzuschauen.
Einige wurden gerade wieder neu aufgelegt, mein Favorit „Max und der Puppenwagen“ leider nicht.
Diese Geschichte lässt sich wunderbar nachspielen und ich habe es schon oft mit Kindern getan. Dorma mag zwar nicht im Wagen mitfahren, aber sie holt gerne alles wieder, was herausfällt. Immer wieder spannend, was mit dem (Hunde)Keks passiert!

Falls Ihr das eine oder andere Spiel schon mal ausprobiert habt,
würden mich Eure Erfahrungen sehr interessieren, wie andere Kommentare und Anregungen auch, an dieser Stelle oder unter gisi@wikkegaard.de.