Such- und Bringspiele Teil 5 – Weitere Rollenspiele

Heute beginne ich mit dem schon in Teil 3 angekündigten Rollenspiel

Fischerei

Man braucht dazu

  • Magnetische Kleinteile, z.Bsp. bunte Schraubdeckel
  • Magnetangeln
  • Eimer
  • ein oder mehrer Boote, z.Bsp. ein Karton oder umgedrehter kleiner Turnkasten auf einem Rollbrett – bringt noch eine dynamischere Bewegung ins Spiel

In der Fischwirtschaft ist der Hund ein vielfältig einsetzbarer Gehilfe. Wenn er sich auf beweglichen Untergründen wohlfühlt, kann er als Schiffshund im Boot mitfahren und die Mannschaft vor Piraten beschützen.
Falls der Sturm die Fischer einmal auf eine einsame Insel verschlägt, freuen sie sich über seine Wärme, Gesellschaft und seinen Schutz.
(Näheres später unter Spiele und Übungen zum Thema Körperkontakt)

 Dorma mag nicht auf Rollbrettern und ähnlichem transportiert werden. Ich habe schon einmal angefangen, es mit ihr zu trainieren bis ausgerechnet ein Kind mich auf den rechten Pfad zurückführte mit der Aussage: „Dorma muss doch nicht ins Boot, sie kann doch schwimmen“ und mich damit an meine eigenen Grundsätze und die von Wikkegaard erinnerte: DER HUND BLEIBT HUND und macht das, was er mit Freude tut. (siehe Teil 1 : Der Hund ist unser Spielgefährte)
Ich scheine übrigens nicht die Einzige zu sein, der das passiert. Wenn ich die  Videos, mit denen im Internet tiergestützte Arbeit präsentiert wird, durchschaue, sehe ich immer wieder, dass zugunsten einer perfekten Inszenierung der Hund dann eben doch funktionalisiert wird.
Gut, wenn uns jemand darauf aufmerksam macht!

Dorma jedenfalls macht sich viel lieber nützlich, indem sie gefangenen Fische

  • von der Angel abnimmt
  • zum Eimer bringt
  • in den Eimer legt
  • aus dem Boot auslädt
  • und den Eimer trägt.

Gerne fängt sie auch selbst die Fische nach Hundeart mit der Schnauze.

Wenn alles angelandet ist, wird gemäß der Bestellungen an den Fischhändler geliefert (siehe Ideenkiste Teil 3) oder die Rot-, Grün-,Blau- oder Gelbfische werden direkt verkauft.
Goldfische sind natürlich die wertvollsten.

 

Lotte und Charlotta machen Auftragsangeln

 
Falls Ihr und Euer Hund Spaß daran habt, könnt Ihr mal versuchen, ob er lernt, eine Farbe herauszusuchen. Ich empfehle Blau!

Spaß macht es auch, zwischendurch „Rollfische“ zu beobachten. Das sind die Schraubdeckel mit etwas breiterem Rand. Sie rollen ganz vorzüglich (übers Wasser) und drehen ein paar Pirouetten ehe sie wieder platt auf dem Boden liegen (ins Wasser eintauchen). Genau dann müssen sie blitzschnell gefangen werden.
Eine schöne Übung zur Impulskontrolle und Reaktionsschnelligkeit für Hund und Kind!

 

Jetzt folgen

Rollenspiele mit Stofftieren, Tier- und anderen Spielfiguren,
die ich nur kurz auflisten möchte, um alles Weitere eurer Fantasie zu überlassen.

Tierkinder suchen ihre Mütter (oder umgekehrt) war ein beliebtes Spiel meiner Frühförder-Kinder und hat oft für Belustigung gesorgt, wenn Dorma die falschen Kinder brachte.
Einer meiner kleinen Experten fand dies ungerecht und klärte uns darüber auf, dass die Spieltiere ja alle gleich riechen und Dorma in Wirklichkeit die Aufgabe super lösen würde.  Wie Recht er hat!

Zu diesem Thema gibt es viele Bilderbücher.
Zum Beispiel Wo ist Mami? von Axel Scheffler und Julia Donaldson,
das ich immer gerne eingesetzt habe, passt perfekt.

Wenn man ein kleines Hunderudel hat, wird die richtige Zugehörigkeit auch für Kinder schon schwerer erkennbar. Vielleicht hat sich auch ein Wolf untergemischt? Mit unserer und der Hilfe des echten Hundes wird aber jeder entlaufene Welpe seine Eltern wiederfinden.

Als Lawinen- oder Trümmer-Suchhund
findet er alle Verschütteten unter oder zwischen

  • Bausteinen
  • Kissenbergen
  • Tüchern, Decken oder Matten
  • Luftpolsterfolien
  • Papierknüddeln oder Schredderpapier
  • Bällen (falls man ein für Hunde freigegebenes Ballbecken hat)
  • usw.
Gerettet, versorgt und beschützt

 

Bei der Schatzsuche ist er sowieso in seinem Element.

Nach einem Flugzeugabsturz im Dschungel holt  unser Rettungshund die Puppe oder den Teddy bestimmt heraus.

Wenn bei einer Ralley ein Fahrzeug wegen Motorschaden zurückgelassen werden musste, findet die Spürnase ihn, auch wenn es schon fast zugewachsen ist.

Die letzten Fotos sind draußen aufgenommen – man kann Ähnliches aber auch gut drinnen mit anderen Materialien spielen. Für Kinder kann ja in der Fantsie bekanntlich alles alles sein.

Verirrt sich allerdings ein Grünling, dann muss man ihn schon draußen suchen.

Dort ergeben sich noch viele weitere Möglichkeiten mit den Materialien der Natur.  Mehr dazu später bei den Draußen-Spielen und -Beschäftigungen.

Mantrailing erprobte Hunde sind bei der ganzen Sucherei im Vorteil. Für die anderen ist es hilfreich, wenn der Gesuchte etwas Wohlriechendes im Gepäck hat.

 

Eines ist mir am Schluss dieses Ideenkiste-Teils noch wichtig zu sagen:

Mit allen Rollenspiele, in denen sich jemand verirrt oder verloren geht, berührt man sensible Bereiche, besonders bei Flüchtlingskindern können dies auch traumatische Ereignisse sein. Am besten ist es, wenn die Themen von den Kindern selbst kommen, und natürlich muss im Spiel alles gut ausgehen, damit es als trostreich erlebt werden kann.
Zum Glück haben wir ja unseren Hund dabei und mit ihm für die Traurigen ganz viel Empathie undTrost!

 

Meine Buchempfehlungen sind heute zwei sehr unterschiedliche Bücher:

Dackel-Frühling
von Ivy Panja Wollandt
ist ein unkompliziertes kleines Buch, das mit netten Bildern und wenig Text in Reimen von den Bedürfnissen eines Dackels erzählt. Im Frühjahr findet man es immer im Pixi-Buch-Angebot, und wenn es euch über den Weg läuft, unbedingt mitnehmen für die Geschenke-Kiste!

 

Ich bin hier bloß der Hund
von Jutta Richter
steht ganz weit oben auf meiner Liste!
Ein Buch zum Lesen oder Vorlesen mit Zeichnungen von Hildegard Müller

 Anton, der ungarische Hirtenhund, der eigentlich Brendon heißt, erzählt vom Leben mit seiner Menschenfamilie mit Katze, von seinem früheren Leben als Hütehund und von seinem (Hunde) Onkel Ferec, der ihm alles beigebracht hat, was ein Hund wissen muss – und von seinen täglichen Mühe, beides unter einen Hut zu bekommen. Jedes Kapitel endet mit: „Nicht dass ich mich beklagen will. Im großen Ganzen habe ich es gut getroffen. …“
Es ist wunderbar zu lesen und viel tiefgründiger, als aus irgendeiner Buchbesprechung hervorgeht.
Allein Antons Beschreibung der Hundeschule und seiner Trainerin macht schon nachdenklich.
Kinder lernen durch diese liebevoll geschriebene Geschichte mehr und anderes über den Hund als aus Sachbüchern, unter dem Gesichtspunkt eines respektvollen und achtsamen Umgangs mit Tieren sogar Wichtigeres.

Ich erkannte einiges wieder, was ich während meiner hundegestützten Arbeit gelernt und beobachtet habe. Zum Beispiel Antons besondere Beziehung zu seiner „Kleinen“ erinnerte mich an meine Erfahrungen mit sehr jungen Kindern (vom Alter oder der Entwicklung her) , die eine ganz eigene Art der Kommunikation und Interaktion mit meiner Hündin hatten.

Jutta Richter kommt aus der theologischen Richtung und hat, soviel ich weiß, nichts weiter mit Hunden zu tun als dass sie mit einem, nämlich Anton zusammenlebt. Sie zeigt aber in diesem Buch mehr Emphatie und ein tieferes Hundeverständnis als so manche „Experten“, die uns den Weg weisen wollen.

Das Ende der Geschichte passt übrigens gut zu den obigen Rollenspielen!