Vom Nationalpark Thy zum Konzept der Abstimmung

Draußen regnet es seit Tagen ohne Unterlass. Ich sitze an meinem Schreibtisch und die Absicht, einen Artikel über die sommerliche Seminarzeit zu schreiben, rückt langsam in den Hintergrund. Fotos und Videos vom Geschehen der letzten Monate bringen nicht nur das Miteinander von Menschen und ihren Hunden in die Erinnerung, sondern ebenso die Schönheit dieser Meeres-, Strand- und Waldlandschaft. In ihr waren die Seminarwochen eingebettet, und der Nationalpark Thy krönte mit seiner geheimnisvollen Seite die Szene.

Die immer wieder, zwischen frischem Grün zu findenden, uralten Bäume lassen an eine jahrtausendealte Landschaft denken. Die Phantasie baut daraus urige Eindrücke, als könnte sich etwas aus einer alten Welt im Wald verbergen. Wanderungen in Thys Nationalpark machen spürbar, dass sich hier Erdgeschichte abbildet, die sich in der heutigen Welt darstellt.

Für Wikkegaards Weiterbildungsprogramm gibt dieses Ambiente eine wunderbare und passende Kulisse. In der modernen Zeit verbindet sie, über diese uralten Wurzeln, mit den uns begleitenden Hunden. Da wandern die Gedanken und Gespräche nicht selten zu den Wölfen, den Urvätern der Hunde. Wölfe übten zu allen Zeiten eine Faszination auf den Menschen aus, waren kraftvoll, überlebenstüchtig, klug. Vor allen Dingen aber waren es wohl ihre Bereitschaft und Fähigkeit zu einem sozialen Zusammenleben, die faszinierte und lockte. Dem jahrtausendealten Wolf in unserem Hund prägt maßgeblich das soziale und glückliche Miteinander zweier evolutionär unterschiedlich gewachsener Arten.

Nicht zufällig gibt es auf Wikkegaard den Leitsatz: „Mensch bleibt Mensch und Hund bleibt Hund“. Das ist eine Prämisse, die nicht nur auf den Artenunterschied weist, sondern ebenso auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse innerhalb der Gemeinschaft. Die Wahrung und die Rechte auf Akzeptanz einer jeweils arteigenen Daseinsform sind Basis für Beziehung und täglichem Kontakt.

Menschliche und hundliche Ambitionen brauchen in der Beziehung Abstimmungsprozesse. Für den Menschen klingt das vielversprechend, wie aber findet ein Hund zur Abstimmung?

Wo anders ließe sich die Antwort finden als genau in diesen uralten Verbindungen zwischen Mensch und Hund: Es sind die, durch die gemeinsame Evolution gewachsenen genetisch gegebenen Fähigkeiten des Menschen, das Ausdrucksverhalten des Hundes, trotz seiner hohen Komplexität, hinreichend gut zu interpretieren. Auf der anderen Seite ist es die genetisch gegebene Fähigkeit des Hundes, die Botschaften des Menschen wahrzunehmen, dies verbunden mit der hohen Bereitschaft, sich nach Möglichkeit anzupassen. Ein solches Vorhaben findet wohl nie einen Abschluss, sondern bleibt ein lebendiges Geschehen zwischen Erfahren, Lernen, Praktizieren, Reflektieren und wieder neu Erfahren….

Im Sommer 2017 schloss die dritte Gruppe ihre Weiterbildung mit Erfolg auf Wikkegaard ab. Nun heißt es Erfahrenes, Gelerntes, in Übungen Praktiziertes und Reflektiertes in den Alltag der beruflichen Arbeit mit dem eigenen Therapiehund zu integrieren.

Ohne Frage ist so ein Abschluss eine große Freude, doch so manchen lässt er zusätzlich fragen: Wann sehen wir uns wieder?

Auch die Hunde sind in zwei Jahren zu einem „Rudel auf Zeit“ zusammen gewachsen. Sie wissen nicht, dass sie sich jetzt erst einmal trennen müssen und toben beneidenswert unbeschwert zum letzten Mal in dieser Komposition miteinander.

Die Dozenten von Wikkegaard wünschen den Absolventen mit ihren Hunden viel Freude in den gemeinsamen Tätigkeiten in Praxen und Institutionen und sagen allen ein Dankeschön für die erfrischende und wohl allen lehrreiche Zusammenarbeit!