Eignungstest als Voraussetzung für den Einsatz eines Hundes in tiergestützter Arbeit?

„Absolute Duldung kontra Ausdrucksverhalten – soll das wirklich zu einer Diskussion in tiergestützter Arbeit werden?“

Überlegungen zu einem Artikel in der „Tiergestützten“, Ausgabe 3/2014 *) von Bettina Mutschler und Dr. Rainer Wohlfahrt zu dem Thema: Kann man einschätzen, ob sich Hunde für den tiergestützten Einsatz eignen?

  Meine Betroffenheit über grundlegende Voraussetzungen dieses Tests, den Inhalten der Testaufgaben und der Vorgehensweise im Kontakt mit den Hunden war so groß, dass ich dazu in der darauf folgenden Ausgabe 4/2014 des gleichen Magazins Stellung bezogen habe.

Hier möchte ich noch einmal die wesentlichen Punkte dieser Kritik anhand der einzelnen Schritte des „Assessments“, herausstellen, das die Autoren zur Überprüfung der Eignung von Therapiehunden im therapeutischen und pädagogischen Einsatz entworfen, an Hunden erprobten und vorgestellt haben.

Meine Darlegung bietet Kriterien zu den Themen:

  • Gibt es überhaupt den Therapiehund für alle Einsatzbereiche?
  • Besteht eine Relevanz zwischen den Testanforderungen bzw. -ergebnissen und den wesentlichsten Merkmalen tiergestützter Arbeit, wie z.B. zum Beziehungsdreieck zwischen Klient- Hund- Therapeut/Pädagoge?
  • Ist der Test hundegerecht?
  • Dient der Test dem „seriösen Schutz des Tieres“ (nach Aussage der Verfasser wäre das ein wesentliches Kriterium für die Existenz des Assessments) ?
  • Gedanken zum Testergebnis
  • Lösungsvorschlag, wie die Eignung eines Hundes hundegerecht, relevant und anwendbar in allen Bereichen tiergestützter Arbeit gewonnen werden kann
  • Schutz der eigenen beruflichen Fähigkeit und der Verantwortlichkeit für Klienten, Hund und eigener Person.

Zum Verständnis der Kritik:

Der von Mutschler und Wohlfart entwickelte Entwurf eines (später als verpflichtend einführbaren) Assessments (Bezeichnung der Verfasser) testet verschiedene Verhaltensdimensionen, wie z. B. „Reaktionen des Hundes auf Körperkontakt“ oder „Reliabilität auf unerwartete laute Reize“ und bewertet das Verhalten der Hunde im Testverlauf auf der Basis einer Bewertungsskala von 0 (nicht geeignet) bis 3 (geeignet).

Das Angebot der Anforderungen ist so geordnet, dass der mögliche Stressfaktor des jeweiligen Hundes zunehmend höhere Grade erreichen kann. Erwünscht ist Wert 3: der entspannte Hund ohne jegliche Stresszeichen, der nach den Kriterien als geeignet für den Einsatz in tiergestützter Intervention erklärt wird.

Danach definiert sich die Eignung eines Therapiehundes ausschließlich über den Grad der höchsten Stressbelastung und einem absoluten desinteressierten Verhalten des Hundes in diesem Geschehen.

Grundlage für die Auswahl der Stress-Anforderungen war die Befragungen von Personen, die hundegestützt arbeiten: gesucht wurde nach Handlungen der Klienten an den Hunden, die eine stressauslösende Wirkung bei den Hunden hervorgerufen hatten.

Mit dem Erscheinen des Assessments in der Tiergestützten war der Artikel bereits kommentiert durch zwei Verfassergruppen: Cornelia Drees und Ingrid Stephan sowie Charlotte Darga, Meike Heier und Melanie Liese-Evers, die die Anwendung des „Assessments“ mit gut nachvollziehbaren Argumenten als höchst fragwürdig einstuften und infolgedessen die Aufforderung zu mehr Stellungnahmen aus dem Kreis der Leser und Interessierten zu diesem Vorhaben von Mutschler und Wohlfarth anregten.

An dieser Stelle bedanke ich mich für die Gelegenheit, die mir die Herausgeber der Zeitschrift gaben, um zu diesem Thema öffentlich Stellung nehmen zu können. Ich bedanke mich bei all denen, die ebenfalls der Aufforderung folgten und so eine Diskussion möglich werden lassen. Nicht zuletzt gilt auch unserem Wikkegaard-Team mein Dank, das mich in unseren vielen Gesprächen unterstützte und damit motivierte im Interesse der tiergestützten Arbeit und besonders auch des Hundes zu einer klaren Stellungnahme zu finden:

  • Wir wollen nicht wissen, was Hunde alles aushalten können.
  • Wir sind interessiert an den durchaus erkennbaren Wirkfaktoren eines Hundes im tiergestützten Einsatz zu beidseitiger (Mensch u n d Hund) Freude und Wohlbefinden.
  • Wir arbeiten am Verstehen und Aktivieren dieser Wirkfaktoren innerhalb des Gesundheitswesens.
  • Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir – schon im Zusammenhang mit unserem Berufsethos-, eigenständig und eigenverantwortlich für das Wohl unserer Klienten, des Hundes und der eigenen Person sorgen.

Hierzu gibt es andere Mittel als diese erschreckenden Tests zur Förderung des Stressfaktors und seiner Belastbarkeit.

Es wird Zeit, die Werte tiergestützter Arbeit öffentlich zu diskutieren, zu dokumentieren und in eine Relation zu einem praktischen Verständnis des alltäglichen Umganges zu setzen.

Verstehen, Wissen, Erspüren, Beobachten, dies mit der notwendigen Empathie, dem Respekt, der Verantwortlichkeit und in einem sich austauschenden Miteinander bleibt unser Gewinn für das Tier, für den Klienten, den wir eine Weile begleiten und für uns selbst.

Ich freue mich, wenn Sie an dieser Diskussion teilnehmen.

*) Herausgeben vom Berufsverband Tiergestützte Therapie, Pädagogik und Fördermaßnahmen e.V