Wer ist toleranter: Wolf oder Hund?

Angesichts der lebhaften Diskussionen, ob nun die Wölfe eine Daseinsberechtigung in Deutschlands Regionen haben dürfen oder nicht, ist dieses Forschungsergebnis sicher interessant:

Am Messerli-Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien galt eine Forschung dem Thema Testing the myth: tolerant dogs and aggressive wolves, durchgeführt von den Biologinnen Friederike Range, Caroline Ritter, Zsófia Virányi vom Wolf Science Centre, in Ernstbrunn, Österreich.

Ein Beitrag aus der Verhaltensforschung von Daniel Lingenhöhl, gefunden im April 2015 bei spektrum.de gibt über das Ergebnis Auskunft: „ Untereinander gehen Wölfe deutlich toleranter und friedlicher miteinander um als Hunde. Zudem sei das autoritätsbewusste Handeln bei Hunden stärker ausgeprägt als bei Wölfen….“

Obwohl Wolf und Hund sozial lebende Tiere sind, erscheinen Erstere im menschlichen Denken als „aggressiver und weniger tolerant“. Dies, so Lingenhöhl, sei ein „Unrecht“.

Im Test der Biologinnen wurden ein ranghohes und ein rangniederes Tier gleichzeitig gefüttert. In der Gruppe der Wölfe zeigte sich eine Art „Gleichberechtigung“: „Auch subdominante Tiere verteidigten oft ihr Futter gegenüber dem Alphatier. Sie zeigten dabei genauso häufig aggressives Verhalten wie umgekehrt. Ranghöhere Wölfe akzeptierten die Drohgebärden der rangniederen.
Bei den Hunden wurden ranghöhere Tiere als dominanter akzeptiert und nicht bedroht.

Die Biologin Range folgert: „Sensitivität gegenüber einem höheren Rang scheint bei Hunden stärker ausgeprägt zu sein als bei Wölfen.“ Virányi erklärt: „ Als Menschen den Wolf domestizierten, selektierten sie wahrscheinlich möglichst gehorsame Tiere.“ Der Grund dafür könnte darin liegen, dass der Mensch die konfliktfreie Mensch-Hund-Beziehung sucht und so die Fähigkeit zur Akzeptanz einer Führung förderte.

In der Haltung von Hunderudeln wurde lange sichtbar, dass Hunde den artfremden Menschen gar nicht als Rudelführer akzeptieren, sondern diesen in ihrer Art Hund finden. Der Mensch hat hier seine eigene Stellung, in der dann allerdings aufgrund Jahrtausende langer Lebensgemeinschaft Beziehung möglich wird. Wahrscheinlich gilt die Toleranz des Wolfes auch in Deutschlands Breiten, und der Mensch müsste von seiner Fähigkeit Gebrauch machen, ein Miteinander zur Zufriedenheit beider Arten zu organisieren, um dem Stammvater seiner Hunde wieder Raum zu geben. Nicht einfach, doch ganz bestimmt möglich, oder?

Quellen zum Forschungsthema: spektrum.de; Daniel Lingenhöhl, Wölfe sind toleranter als Hunde, 2015 und royalsocietypublishing.org ; Friederike Range, Caroline Ritter, Zsófia Virányi, Testing the myth: tolerant dogs and aggressive wolves, 2015

Foto Wolf: Bernard Lamdgaf/wikkimedia